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Im Herbst 2010 erschienen: Artikel im DOM über die neurenovierte Pfarrkirche >
 
Im Herbst 2010: Veranstaltungen zur Wiederöffnung der renovierten Pfarrkirche >
 
 
Die Pfarrkirche St. Heinrich und Kunigunde und ihre Ausstattung
 
Von der alten Ulrichskirche (bis 1665) ist nur der Unterbau des Turms erhalten. Ferdinand von Fürstenberg (1661-1683 Fürstbischof) versäumte es nicht, sein Wappen an möglichst vielen Stellen innerhalb und außerhalb des Gebäudes anzubringen. Am großartigsten ist ihm das wohl bei der Ausgestaltung des Haupteingangs, des sogenannten Löwenportales gelungen (Parallelen in Paderborn an der Busdorfkirche und in Lichtenau). Die lateinische Inschrift über dem Portal berichtet uns, dass er, Ferdinand (es folgen alle seine Titel), dieses Gotteshaus im Jahre 1666 von Grund auf hat errichten lassen. Das etwas einfacher gestaltete Turmportal weist ebenfalls Ferdinands Wappen auf. Das Innere der Kirche bildet durch die fast einheitliche Barockausstattung - besonders nach der letzten Renovierung - eine harmonische Einheit.

Aus der alten Ulrichskirche stammt nur der Taufstein. Er wurde vor 1612 von dem fürstlichen Diener und Schlüter Ludwig Schmidt der St.-Ulrichs-Pfarrkirche gestiftet (Kosten 40 Taler). Ein Wappenschild mit den Initialen L S weist noch heute auf den Stifter hin.
 
Der Hochaltar
 

Er besteht aus zwei Teilen, dem freistehenden Altartisch mit Tabernakelaufbau und der Rückwand. Sie ist der ältere Bestandteil.
Das große Gemälde, gefertigt wie alle übrigen Altarbilder 1667/68 von Hofmaler Karl Fabritius, stellt die Feuerprobe der hl. Kunigunde dar. Darüber das Wappen Ferdinands in großartiger Aufmachung mit drei Helmen, Schwert und Bischofsstab. Das kleine Gemälde bildet die  heilige Familie ab.

Flankiert wird das Hauptgemälde von den 1,35 m hohen Figuren der heiligen Bischöfe Kilian und Liborius (Joseph Stratmann um 1773)

 

 

 

 

Altartisch und Drehtabernakel, bez. 1742 (Johann Philipp Pütt). Der Überbau stellt die drei Göttlichen Tugenden dar. Der Drehtabernakel mit drei muschelbekrönten Nischen ist sehr kunstvoll in Eiche geschnitzt. In einer Nische das Kruzifix. Der in Rokoko-Form gehaltene Fuß enthält hinter Glas ein Pergamentblättchen mit der Inschrift: “SACERDOS / SUAE VICTIMAE / VICTIMA SUI SACERDOTII” (Christus ist) der Priester seines Opfers und das Opfer seines Priestertums. Dahinter: “IACOBUS PÜTT FECIT 1753”. Dieser Künstler wurde am 6.8.1731 in der Gaukirche zu Paderborn getauft.

Die Seitenaltäre
 
Karl Fabritius malte auch die Bilder der beiden Seitenaltäre. Der linke Altar (mit dem Wappen Ferdinands und der Jahreszahl 1667) stellt den römischen Stadtheiligen Philipp Neri vor der Gottesmutter kniend dar.

Ferdinand, der vor seiner Ernennung zum Fürstbischof von Paderborn (1661) neun Jahre in Rom als Vertrauter des Papstes zugebracht hatte, verehrte diesen Heiligen der Renaissance ganz besonders. In der Kirche der von
Philipp Neri gegründeten Oratorianer Priesterbruderschaft zu Rom, Santa Maria in Vallicella (Chiesa Nuova), befindet sich das gleiche Bild, gemalt von dem berühmten Künstler Guido Reni. Ferdinand selbst oder dessen Hofmaler Fabritius haben das Gemälde kopiert und in Neuhaus reproduziert.
Im anschließenden nördlichen Seitenschiff, der Philipp-Neri-Kapelle, wird auf einer Marmortafel festgehalten, dass Ferdinand von schwerer Krankheit genesen, diese Kapelle zu Ehren des heiligen Bekenners Philipp Neri im Jahre 1667 hat erbauen lassen.
Der südliche Seitenaltar (Fabritius, bez. 1667) stellt den heiligen Bischof Ulrich, den Patron der alten Kirche, dar. Er schreitet segnend durch eine Gruppe von Kranken. Das südliche Seitenschiff wird auch heute noch Ulrichs- oder (nach dem in diese Richtung liegenden Ortsteil) Quinhagen-Kapelle genannt.
Barocke Figuren auf den Seitenaltären:
Philipp-Neri-Altar, der hl. Kaiser Heinrich und seine Gemahlin die hl. Kunigunde (Johann Philipp Pütt um 1740).
Ulrichs-Altar, die hl. Josef und Antonius von Padua (Josef Stratmann 1803).
 
Weitere Ausstellungsstücke aus der Zeit Ferdinands
 
  • im Mittelschiff Doppelmadonna mit Strahlenkranz
  • Kirchenbänke (zumindestens sechs, an denen das Fürstenberger Wappen angebracht ist)
  • Beichtstühle, bez. 1668
  • Orgelprospekt mit großem Wappen Ferdinands (1680)
  • Die Kanzel, bez. 1668: Erzengel Michael tötet den Drachen. Darunter sitzend ein Engel, der auf eine Tafel mit den zehn Geboten hinweist; im unteren Bereich: Darstellungen der Apostel Petrus und Paulus mit Christus.
 
 
An undatierten barocken Plastiken sind vorhanden
 
  • eine Mutter Anna in der Ulrichs-Kapelle
  • eine sitzende schmerzhafte Mutter Gottes unter dem Turm
  • eindrucksvolles Vesperbild in der Philipp-Neri-Kapelle. Die Gottesmutter hält den Leichnam ihres Sohnes auf dem Schoß. Diese Plastik wurde am 8. Oktober 1768 von dem aus Warburg stammenden Kaplan und späteren Pfarrer in Neuhaus, Franz Anton Krammen, gestiftet. (Jakob Pütt)

In der Ulrichs-Kapelle befindet sich seit der letzten Renovierung ein großes Eichenkreuz mit Korpus, bez. 1783. Es stand früher auf einem Sockel an der Außenwand des Chores.

 
 
Alte Gemälde
 
in der Philipp-Neri-Kapelle
  • der hl. Petrus
  • der hl. Paulus
  • der hl. Felix
  • der hl. Stephanus
Die Gemälde könnten aus dem 1803 aufgehobenen Abdinghofkloster stammen. Der Künstler ist Anton Joseph Stratmann aus Paderborn (1734-1807). Er war in zweiter Ehe seit 1786 mit Maria Anna Block aus Neuhaus verheiratet.
in der Ulrichs-Kapelle
  • Geißlung Christi
  • der hl. Johannes Nepomuk mit der Widmung Fridericus Musgard et Anna Sibilla Romer dedit Anno 1716.”
  • der hl. Blasius (von Anton Joseph Stratmann)
Bestattungen in der Kirche
 
  • Der Jesuit und Geschichtsschreiber Ferdinand Nikolaus Schaten (1608-1676). – Ehrentafel in der Philipp-Neri-Kapelle, übergeben vom Vorstand des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens am 6.3.1930 an Pfarrer Dr. Hermann-Joseph Wurm.
  • Generalvikar Laurentius von Dript, +1688
  • Anna Magdalena von der Recke geb. Freifrau von Wolff-Metternich, Schwester des Fürstbischofs Franz Arnold,  +1714 – Wappen in der Rückwand der Philipp-Neri-Kapelle.
  • Domkapitular und Pfarrer von Neuhaus Dr. Hermann-Josef Wurm,  +1941 – Grabkammer unter der Philipp-Neri-Kapelle – Gedächtnisplatte außen an der Nordwand.

Außerdem befinden sich noch einige alte Grabplatten vor der Kirche, so zum Beispiel an der Außenwand des Chores der Stein für den im 18. Jahrhundert verstorbenen Bildhauer Valentin Köpffle; vor dem Ausgang der Quinhagen-Kapelle die Grabsteine des Pfarrers Otto Jodokus Denker (1724-1755), der Eheleute Temme, +1745 und 1743, des im Jahre 1578 verstorbenen Benediktiner-Abtes Johannes Hieronymus Schröder aus dem Paderborner Abdinghofkloster und einige andere.

 
Neuere Ausstattungsstücke
 

Unter dem Turm Gedächtnisbild für die Gefallenen des Krieges 1914-1918 aus der Pfarrei Neuhaus, erstellt von dem Münchener Künstler Schumacher, 1922.

Folgende Plastiken im Langhaus wurden von dem Bildhauer Neustifter aus Eggenfelden erstellt:

  • der hl. Konrad von Parzham (Bruder Konrad) 1936
  • der hl. Josef 1937
  • der hl. Antonius 1937/38
  • die hl. Elisabeth 1937/38
     
 
Die Heiligen- und Wappenfenster
 

Bei der letzten Renovierung wurden in Anlehnung an die Medaillon-Fenster, die zur Bauzeit unserer Kirche üblich waren, neue Glasfenster geschaffen. Die Entwürfe stammen von Nikolaus Bette (1973), dem Künstler der neuen Fenster im Paderborner Dom.

Zur Versammlung der Gemeinde gehören auch die Heiligen, die uns im Glauben vorausgegangen sind. Wir haben für die Fensterbilder aber nicht nur Heilige gewählt, die wir mit unserer Gemeinde besonders verbunden glauben, sondern auch bedeutende Persönlichkeiten, die in Neuhaus “Geschichte gemacht" haben.

n die Zeit der Gründung unserer Kirchengemeinde verweist das Fenster im Langhaus vorn links. In der Dreiergruppe steht rechts der hl. Ulrich (mit dem Ulrichskreuz), der Patron der Gaukirche in Paderborn, von der unsere Gemeinde vermutlich im Mittelalter abgepfarrt wurde. In der Mitte steht der Bistumspatron, der hl. Liborius (Pfau, Bischofsstab, Buch mit Steinen); der hl. Meinolf - in der Dreiergruppe links - erinnert an die frühe Zeit der Christianisierung unserer Heimat. Die Meinolfuskapelle im Wilhelmsberg deutet darauf hin, dass die Verehrung dieses Heiligen in unserer Gemeinde eine lange Tradition hat.

Das hintere Fenster im Langhaus ist den heiligen Frauen gewidmet; in dieser Dreiergruppe symbolisieren sie Aufgaben der Gemeinde: links ist St. Anna Selbdritt, das heißt zusammen mit Maria und Jesus. Maria ist die “Mutter der Glaubenden”, sie steht mit ihrem Glauben in der Ahnenreihe vieler Mütter, die Glauben und Leben weitergegeben haben. Dieses Bild steht also für die Gemeindeaufgabe der Glaubensverkündigung. Die hl. Elisabeth (in der Mitte) steht für die Gemeindeaufgabe der Caritas. Die hl. Katharina von Siena (rechts) führte ein beschauliches Leben als Ordensfrau; durch ihr Gebet und durch ihre Briefe nahm sie Einfluss auf die Leitung der Kirche (Päpste in Avignon). Sie ist ein Beispiel dafür, dass die Frau in der Kirche nicht zu schweigen hat. Die Namen der hier dargestellten Heiligen - Maria, Anna, Elisabeth und Katharina - sind die häufigsten Mädchennamen in unseren Neuhauser Taufbüchern; auch die barocke Darstellung der hl. Anna (im Querschiff rechts) deutet auf eine lange Tradition ihrer Verehrung in unserer Gemeinde.

Das hintere Fenster rechts (das “Stifterfenster”) erinnert an den Erbauer der jetzigen Kirche, Bischof Ferdinand von Fürstenberg (mit Modell der Neuhauser Heinrichskirche); links ist ein Zeitgenosse, der Historiker Nikolaus Schaten dargestellt, der Verfasser der “Annalen von Paderborn”; er ist in unserer Kirche bestattet. Beide sind keine Heiligen, aber bedeutende Männer unserer Neuhauser Geschichte. Der hl. Philipp Neri (rechts) war ein großer Reformator der Kirche seiner Zeit. Die Kinder und das Notenblatt weisen ihn als Pädagogen und Musikwissenschaftler aus. Ferdinand von Fürstenberg, selbst einer der bedeutendsten Gelehrten seines Jahrhunderts, hat den hl. Philipp Neri hoch geschätzt.

Das Fenster an der Kanzel erinnert an die lange Tradition der Krankenfürsorge in unserer Gemeinde: der hl. Andreas (in der Mitte mit Balkenkreuz) war der Schutzpatron des Neuhauser Andreas-Krankenhauses, eine Gründung des Kaplan Andreas Winter; der hl. Rochus (rechts) ist der Schutzheilige der Pestkranken gewesen, die Rochuskapelle hält die Erinnerung an diese Notzeiten in Neuhaus wach. Das linke Bild stellt Friedrich Sertürner dar, den Entdecker des Morphiums; er ist in Neuhaus geboren und in dieser Pfarrkirche getauft.

In den Außenfenstern des Querschiffs sind die farbigen Wappen der Bischöfe angeordnet, die zwischen 1361 und 1803 in Neuhaus residierten, außerdem die Wappen des Bekennerbischofs Konrad Martin (1856-1897), des Erzbischofs Kasper Klein (1920-1941)) Konsekrator des Erweiterungsbaus und das Wappen des Erzbischofs Lorenz Kardinal Jaeger (1941-1974), der die letzten Renovierungsarbeiten mit großem Interesse begleitet und gefördert hat. Das alte Wappen der ehemals selbständigen politischen Gemeinde Schloß Neuhaus steht für einen langen Abschnitt der Orts- und Kirchengeschichte. Das Wappen des im Februar 2001 zum Kardinal ernannten und am 25. Juli 2002 verstorbenen Erzbischofs Johannes Joachim Kardinal Degenhardt wurde im Februar 2002 auf der einen, das Wappen des Erzbistums Paderborn auf der anderen Seite ergänzt.

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